Sternstunde für Fans von Pink Floyd
Ein stimmiges und hochklassiges Konzert mit transparentem Sound - Musik von und für Liebhaber
Lorsch. Ein Album als elegante Reminiszenz an den im September verstorbenen Keyboarder Rick Wright: "Wish you were here" erstrahlte im Glanz von 1975 und begeisterte das Publikum im gefüllten Musiktheater Rex. Mit ihrem jüngsten Lorscher Konzert empfahl sich Interstellar Overdrive als eine der besten Coverbands der frühen Pink Floyd.
Jenseits der matten Spätphase, in der sich die Band nach personellen Querelen wie eine schlechte Kopie ihrer selbst präsentierte, konzentrieren sich die Wiesbadener Musiker auf die frühen Werke ihrer Vorbilder, deren ätherischer und orchestraler Sound in den 60er und 70er Jahren als wegweisend galt. Kaum zu glauben, mit welcher Intensität und Authentizität sich Interstellar Overdrive an die Originale heran zu kuscheln pflegt.
Gleich beim Opener "Atom Heart Mother" (1970) demonstrierte die Gruppe ihren ausgeprägten Sinn für aufwändiges Arrangement und diffizile Instrumentierung. Die eindrucksvolle Präsenz der Band setzte sich beim Stück "Astronomy Domine" vom Debutalbum "The Piper at the Gates of Dawn" aus dem Jahre 1967 fort: Melodischer Space Rock und kosmische Hörbilder, die sich wie akustische Tätowierungen in den Ohren fest brennen und auch nach über 40 Jahren eine mysteriöse Aura ausstrahlen.
Die sechsköpfige Formation inszenierte ein Sound- und Lichtgewitter zum Schwelgen und Genießen. Selbst die unhandlichsten Klangexperimente aus der musikalischen Orientierungsphase von Pink Floyd werden sauber und ohne die geringste peinliche Pose ins Publikum transportiert: Man verzichtet auf nebulöse Garnituren und persönliche Eitelkeiten, die den zerbrechlichen Songs nur schaden würden. Mitgröhl-Arien aus stadionkompatiblen Werken wie "The Wall" bleiben ungehört, lediglich das feine "Comfortably Numb" erinnerte an das monumentale, das Schicksal besiegelnde Album von 1979, bei dessen Aufnahme die Motoren Roger Waters und David Gilmour endgültig auseinander gingen.
Für alte Fans markiert dieses Jahr das eigentliche Ende der Gruppe. Es beginnt 1997, als sich Interstellar Overdrive der gepflegten musikalischen Erinnerungskultur verschreiben. Die Stimmen von Matze Brück, Tobi Untucht und "Pofter" besitzen die typischen Koloraturen von Waters und Gilmour, ohne auf schäbige Weise imitierend, also ungewollt parodistisch zu wirken. Die komplexen Harmoniefolgen und die sauberen, beinahe klinisch-bluesigen Strukturen von David Gilmour werden respektabel aufgefrischt.
Waters lyrische Kompositionen klingen gewohnt pessimistisch und sperrig. Markus Thurn (Saxofon), Frederik Ehmke (Schlagzeug) und Rainer Weimar am Bass bilden das akustische Fundament der Band. Mit einem virtuosen Finger an der Lichtanlage tränkt Franz-Peter Hahner den Sound in ein stimmiges visuelles Kleid, das trotz wuchtiger Optik niemals erdrückend wirkt.
Neben Klassikern wie "Time" vom 1973er Album "The Dark Side of the Moon" und dem endlosen "Echoes" ("Meddle") ist es vor allem die dramaturgisch identische Abfolge von "Wish you were here", die dem Lorscher Konzert Flügel verleiht. Die brillanten Interpretationen von "Shine On you Crazy Diamond", "Have a Cigar" und "Welcome to the Machine" tragen die Gruppe in einen Kosmos, der weit über die Qualität einer ordentlichen Coverband hinaus geht.
Für Erstbesucher ein stimmiges und überraschend hochklassiges Konzert mit einem klaren, transparenten Sound. Musik von und für Liebhaber.
Thomas Tritsch, Bergsträßer Anzeiger, 14. Januar 2009